Karla Schefter
Man kann das durchaus als Knaller des Schicksals bezeichnen.
Adju macht hier u. A. Touren für Touris. Für heute kündigte eine “Heilige Frau” aus Deutschland an und entschuldigte sich dafür, keine Zeit für uns zu haben. Wir könnten allerdings mitkommen. Sven befürchtete eine halbgare New Age Bratpfanne.
Und jetzt : Mitten in Indien kommen wir dazu, einen Tag mit Karla Schefter zu verbringen.
Karla Schefter trägt zwei Bundesverdienstkreuze, den Bambi, und unzählige andere Orden und Preise. Ich hab sie mal bei Jauch in der Glotze gesehen, und fand sie schon da unglaublich.
Sie ist seit 89 in Afghanistan und hat dort ein Krankenhaus in der Provinz aufgebaut. Allein als deutsche unter fast nur Männern. Sie ist jetzt 68 und Sven und ich haben den Mund nicht mehr zugekriegt. Wir haben zu viert einen Trip gemacht und sie hat uns mehrere Stunden erzählt.
Sven und ich kommen aus der Verehrung nicht mehr raus, denn das ist ein Thema, das auch uns am Herzen liegt. Wie hat die Welt noch eine Chance? Was und wo kann man selbst etwas tun?
Und es sind Menschen wie Karla, die für mich die wichtigsten auf der Welt sind.
Was sie erzählt, die tägliche Schlacht gegen Korruption, Politiker, die sie vereinnahmen wollen, Vergewaltigungen, Morde, Bombardements. Unglaublich integer hat sie Politiker und Militärs abgeschlagen, obwohl die sie finanziert hätten, wenn sie zb mit Militärs zusammen auftritt.
Was sie uns über die Politiker erzählte, afghanische, deutsche und amerikanische verschlägt einem die Sprache, macht einen schlicht wütend vor Ohnmacht. Dreckig wäre milde ausgedrückt. Wenn sie irgendwo das Image aufwerten kann, gibts Geld, sonst sorry, Menschen interessiert uns NULL.
und das hat sie nie angerührt. Und so ist sie in Deutschland von Talkshow zu
Talkshow, letztendlich um zu betteln.
Man spürte weder Eitelkeit, Helfer-Syndrom oder jegliche Art von “ich bin besonders” .
Adju zog den Vergleich mit Mutter Thesa heran. Ich könnte lange weiter schreiben.
Dieser Zufall war kein Zufall. Für mich war es das beeindruckendste Gespräch seit ich weiß nicht wann. Ausgenommen vielleicht meine Selbstgespräche nachts.
Bereits letzten Trip haben Sven und ich unglaubliche Menschen kennengelernt. Vielleicht ziehen wir das an?!
Adju selber ist eine Offenbarung. Kindliches und weises in einer Person. Etwas pathetisch vielleicht: reines Herz und reiner Geist. Oder zumindest auf dem weg dahin. Mit einer durchdringenden Freundlichkeit und einer großen Bewusstheit für sein Gegenüber und sich selbst.
Doch heute war es Karla, die sich tief eingegraben hat in unser Gedächtnis.
Falls jemand Interesse hat: Sie hat zwei Bücher geschrieben.