Sven ist grad auf die Eröffnungsveranstaltung und ich werde mich heut in Cafés niederlassen und endlich lesen und Tee trinken und ruhen.
Die letzten Tage waren wegen der Reiserei ziemlich nervenaufreibend und wir freuen uns über ein paar Tage am Stück an einem Ort.
Warum Reiserei und nervenaufreibend?
Dazu ein Punkt, der in Indien liebenswert sein kann, oder auch Anlass sich in Gelassenheit zu üben, oder aber vor Ohnmacht alles in Schutt und Asche legen zu wollen:
Nichts klappt einfach mal nur! Und das ist weit von deutscher Pedanterie entfernt.
Beispiel Inlandsflug. Sven hat aus Deutschland die Inlandsflüge gebucht. Sven gehört zu den seeehr geduldigen und verständnisvollen Menschen. Aber bereits bei Reiseantritt sagte, wenn wir nochmal da anrufen müsse, könne er das einfach nicht, weil er die Frauenstimme in der Warteschleife nicht mehr ertragen kann. Im wörtlichen Sinne. Seine Nerven würden das ganz Real nicht mehr schaffen. Kurz vor Antritt: SMS , Flug Delhi-Orissa GESTRICHEN. Die Linie wurde mal eben eingestellt. Alternative über Stopp im kAlkutta. OK. Irgendwann checkt Sven ZUFÄLLIG noch mal genau die Zeiten. Abflugzeit des Anschlussfluges wurde vor die Ankunftszeit des Ausgangsfluges gebucht!!! Wie kann so was sein???? Jeder Abiturient sollte so was programmieren können. Und das hier sind doch die IT-Inder ( minimaler Smiley) !
Gut, anrufen, Warten, regeln. Delhi, Smog. Flug verzögert sich immer wieder um eine Stunde, am Ende 5. Was wenn wir den Anschluss in Kalkutta verpassen? Hotel? Mahlzeit? “Sorry, ab hier sind wir nicht mehr verantwortlich, müssen sie dann da Fragen. ( GLEICHE FLUGLINIE !!!), aber weil es das Wetter ist, gibts wohl nur einen Snack. Mit der Definition von Smog als Wetter bin ich auch intuitiv irgendwie nicht einverstanden. ( 20% des Smogs werden durch zahllose altertümliche Ziegeleien am Rande Delhis verursacht. Und der Rest bestimmt auch nicht von Krishna).
Beim zweiten Mal mit Zwischenstopp haben wir eine halbe Stunde. ICh denke, das reicht, das soll so. Sven zweifelt. Wir Fragen. Nein Sir, das geht nicht. Jetzt Kriegen wir den Oberrappel. NOCHMAL, eine der größten Inlandsfluglinien Jet Air. Wir müssen uns umbuchen lassen. Das heißt anstellen. Anstellen, har har. Rechnet vier Leute 1 Stunde. Ein ” Manager” bedient den Innen- und Aussenschalter. Sven steht innen, ich außen. Ich zuerst. Umbuchung auf Flug mit 5 h Stopp statt halber. Komm rum nach innen, Junge, da kann man besser reden! Und dann gibt’s sofort das Ticket. Ich rum, er inzwischen wieder woanders zugange. Wollten wir nicht nur kurz das hier zu Ende bringen? flüster ich. Aus allen Fenstern brüllen sie rein. Noch eine gefühlte Stunde. Ich hab ein lautes Organ und fange an auf Megafon zu stellen! Wir sind völlig fertig mit den Nerven War es nicht DEREN krasser Fehler? WIR müssen jetzt betteln? Stundenlang? Und wo bleibt das Gepäck? Wir prüfen jetzt alles was es zu prüfen gibt, wovon wir glauben, dass eine Linsensuppe das übersehen könnte.
Gut,alles geregelt, aber fast ein Tag Urlaub weg.
Inlands-Rückflug: Beim Packen düd düd, SMS. Jet Air. Ihr Flug wurde umgelegt auf einen späteren Flug! Kindly at your service! Wir wurden zurück gebucht auf den Flug, den mit der halben Stunden, den Flug, der uns die Schlacht im Flughafen gekostet hat!!!!!!!! Sven wird starr wie Gusseisen. Die Warteschleife! Wanton übernimmt. Wegen der Verbindung und Lärm verstehe ich fast nix und brülle nur noch willkürlich mir in den Kopf kommende Wörter ins Handy. Die Dame erkennt das Problem und hilft. Sir, nennen sie mir nur den Flug den Sie haben wollen und ich werde ihn bestätigen. Den Satz mag ich. Ich nehme das Stück Leder aus denZähnen, das Sven mir reingesteckt hatte: Ja, also, wir hätten gern den Flug wieder, der hier gedruckt steht , den wir BRAUCHEN, den wir bezahlt haben, für den wir uns mit dem Manager fast am Boden gewälzt haben, ohne den wir uns kein uns sinnvoll erscheinendes Leben mehr vorstellen können. Und jetzt, die wirkliche Überraschung: ” OK, Sir, no problem! ”
ÆÆææææ??????? Ich frage gefühlte 20 Mal nach? A R E. Y O U S U R E .
Ich frage nicht weiter, was dann der ganze Scheiß sollte. Sie könnte sich ja umentscheiden und eine SMS schicken…
Also gut, wir sind nicht happy, der Adrenalinspiegel wird sich halten. Aber entspannter.
Wollen die Gangway hoch. Sir, Mr Eisenpimmel, something is wrong, please stand over here. Ich Krieg nicht mit worum es geht. Sven steht schon oben und guckt besorgt runter. Ein Mann mit Gewehr kommt. Ein Jeep. Alle sind an Bord, nur ich nicht. Im Gegenteilt, ich werde zum Jeep geführt, immer noch ohne Erklärung. Spontan denke ich daran, mich aus dem Auto zu werfen, ohne Scheiß. Dann die Erklärung. Beim Security Check in, hat ein Kerl einen Stempel vergessen. Wir fahren mit doppelter Schallgeschwindigkeit über das Rollfeld. DAS fand ich gut! Kriegt nicht jeder. Der Security-Mann ist keiner von den dumpfen und sehr nett, schleift nicht aber mehr oder weniger nochmal durchs ganze Gebäude zum Check In. Stempel, Zack,das ganze zurück, Jeep, Rollfeld, rein ins Flugzeug.
Wenn der Name nicht schon weg wär: Easy Jet wäre doch viel passender gewesen für diesen sympathischen dynamischen Verein!
Diese Fassung ist die knappe und bringt es doch nicht rüber. Die Hitze, der Hunger, die Securities , die einen immer wieder in Zeitlupe checken, bedeutungsvoll Papiere anstarren, obwohl sie gar nicht lesen können etc machen daraus erst den richtigen Dampfkessel, die mich, ich muss es zugeben, vorübergehend schon mal zum Rassisten werden lassen. Gedanken wie ’ diese Scheißinder, diese dämlichen Inder packen es einfach nicht. Weltmacht? HAHAHAHAHAHA!!!!!!!!
Zugegeben, diese Beispiel ist besonders heftig und für gewöhnlich klappen die Flüge.
Denn keiner soll sich entmutigen lassen, hierher zu kommen. Es ist all das Wert!
